Theresia Gerhardinger – mutig, glaubensstark, weltoffen

Theresia Gerhardinger (*1797, +1879) aus Stadtamhof bei Regensburg, die Papst Johannes Paul II. am 17. November 1985 seliggesprochen hat, gilt als Pionierfigur für die Bildungsgeschichte nicht nur Bayerns und für die Entwicklung der modernen religiösen Frauengemeinschaften. Gegen hartnäckige Widerstände aus bürgerlichen und kirchlichen Kreisen setzte die unscheinbare, aber ungemein zähe Ordensfrau um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihr Modell von Mädchenbildung durch: eine realistische, an den Bedürfnissen der ärmeren Schichten vor allem in Dörfern und kleinen Städten orientierte Art von Erziehung.

Schulgeschichte in Bildern

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Schaut mal, so sah unsere Schule vor ca. 170 Jahren aus. Naja, eigentlich gab es da noch keine Schule, sondern nur ein altes, halb verfallenes Schloss, das …

Sollte die erste Volksschule (heute: Grundschule) für die Mädchen im Ort Weichs werden. Ja, ihr lest richtig, bisher gab es nur eine Schule für die Buben! Das gefiel auch dem damaligen Weichser Pfarrer, Georg Baustädter gar nicht und so kaufte er – zusammen mit seinem Bruder – das halb verfallene Weichser Schloss (es gehörte einmal den Freiherrn zu Weichs). Doch wer sollte die neue Schule leiten, wer sollte unterrichten? Sie hörten, dass eine gewisse Schwester Theresia Gerhardinger aus München, Ordensgründerin der Armen Schulschwestern, mittlerweile schon mehrere Mädchenschulen in Bayern gegründet hatte und daher wandten sie sich vertrauensvoll an sie.

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Das war gar nicht so einfach, denn es gab zu der Zeit weder Telefone noch Autos, noch eine S-Bahn. Die Fahrt nach München zu Sr. Theresia Gerhardinger konnte nur mit einer Pferdekutsche geschehen. Auch Sr. Theresia kam einige Male mit diesem Gefährt nach Weichs, um mit den beiden Brüdern die Verhandlungen zu führen.

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Und so kam es schließlich zur symbolischen Schlüsselübergabe an den Orden der Armen Schulschwestern, denn die sollten sich fortan um diese neu gegründete Schule für Mädchen kümmern.

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Nun endlich konnten nicht nur die Buben, sondern auch die Mädchen eine Schule besuchen. Dort lernten nun auch sie endlich Lesen, Schreiben, Rechnen. Aber sie hatten auch für die damalige Zeit ganz außergewöhnliche Fächer, wie Leibesübungen, Heimatkunde und Kochen. Sr. Theresia Gerhardinger nannte diese Fächer „Realien“. Merkt ihr was? Aus diesen Realien leitete sich viele Jahre später der Name „Realschule“ ab. Sr. Theresia Gerhardinger kann daher als Erfinderin dieser Schulart bezeichnet werden.

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Präparandie
Manche Mädchen, die in die Weichser Volksschule gingen, traten später sogar in den Orden der Armen Schulschwestern ein, sie wollten also selbst Lehrerinnen werden. So diente diese Schule in Weichs über 80 Jahre lang als eine „Lehrerinnenbildungsanstalt“, die sog. Präparandie. Auf unserer Homepage befindet sich ein Film, der ein Interview mit einer ehemaligen Weichser Schulschwester (Sr. Ruth Becker) zeigt, sie berichtet ausführlicher über diese Zeit. Er ist sehr zu empfehlen, denn sie erzählt sehr nett.

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Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen sehr traurige Zeiten auf den Weichser Schulstandort zu, denn 1937 verbot Hitler die weitere Aufnahme von Schülerinnen und die Schulschwestern mussten die Schule verlassen. Das Kloster wurde für verschiedene andere Zwecke beschlagnahmt: Unterbringung von Aussiedlern, bzw. SS-Truppen.

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Als der schreckliche Zweite Weltkrieg endlich vorbei war, waren die Gebäude zwar in einem sehr desolaten Zustand, aber das hielt die Schwestern nicht davon ab, bereits 1946 wieder die Ausbildung des Ordensnachwuchses in der Weichser Oberschule weiterzuführen.

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1952 beschloss der Orden, diese bisher in Weichs angesiedelte Oberschule nach München zu verlegen, dafür kam aber die Mittelschule nach Weichs.

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Die Ausbildung an einer damaligen Mittelschule dauerte drei Jahre, 1964 wurde sie jedoch auf vier Jahre erweitert. Gleichzeitig wurden in Bayern die bisherigen Mittelschulen in „Realschulen“ umbenannt.

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Das Besondere an der Weichser Realschule war das an die Schule angeschlossene Internat. Mädchen, die von Montag bis Freitag auch in der Schule übernachteten wurden als „interne Schülerinnen“ bezeichnet. Wegen der Beliebtheit der Schule wurde sie aber nun auch für sog. „externe Schülerinnen“ geöffnet, also für Mädchen, die zum Schlafen wieder nach Hause gingen.
Egal, ob „intern“ oder „extern“, die Schwestern kümmerten sich gleichermaßen um deren ganzheitliche Bildung. In späteren Jahren (ab ca. 1984) fuhren manche Schwestern sogar mit den Mädchen in ein Skilager!